Ein Aspekt des Trainings, den ich für sträflich unterbewertet halte, ist die Koordination, oder genauer: die koordinativen Fähigkeiten. Sie tauchen in den meisten Studio-Trainingsplänen nicht auf und werden auch von vielen Trainern wenig bis gar nicht beachtet. Dabei ist koordinatives Training i.S.v. Gleichgewichtstraining gerade bei älteren Studiomitgliedern ein wichtiger Baustein im Gesamtkonzept (etwa bei der Sturzprophylaxe).
Ältere Mitglieder — und damit meine ich ab 45 Jahren aufwärts — verfügen meistens, so leid es mir tut, über ein grauenhaftes Balancegefühl. Aber auch vermeintlich gut austrainierte Zeitgenossen Anfang zwanzig kriege ich ihn in den meisten Fällen über die Koordination. Einbeinstand mit geschlossenen Augen oder auf instabilem Untergrund, Rechts-links-Aufgaben, gegenläufige Bewegungen — all das führt häufig genug zu wildem Herumgefuchtel und ungläubigen Blicken, weil es ja vorher hieß: "Gleichgewicht? Hab ich."
Vielleicht sehen sie es auch als Kinderkram, keine Ahnung. Ich weiß nur, dass koordinatives Training unheimlich Spaß macht und man auch ausgewiesene Sportmuffel sehr gut damit motivieren kann.
Ich bin mittlerweile dazu übergangen, auch jungen Kunden mindestens eine, meistens zwei oder drei reine Koordinationsübungen in ihre Pläne zu schreiben. Und wenn das heißt, dass sie auf dem Weg zum Bäcker bitte auf dem Bordstein balancieren oder sich morgens die Zähne auf einem Bein stehend putzen.
Hier mal drei schöne Koordinationsaufgaben, die ich regelmäßig bei meinen Kunden anwende:
1. Einbeinstand, in der Hand einen Kuli (oder Löffel etc.). Die Arme abwechselnd seitlich ausbreiten und vor dem Körper zusammenbringen — dabei den Kuli immer von der einen in die andere Hand weitergeben.
Irgendwann dann nur noch auf den Kuli schauen und den Kopf dabei mitdrehen.
2. In Rückenlage: Arme gerade nach oben strecken, Beine gebeugt anheben (Knie + Hüfte = 90 °). Den rechten Arm 90 ° seitlich abstrecken, gleichzeitig das linke Bein strecken. Zurück in die Ausgangsposition kommen, Wechsel auf die andere Seite.
3. Im „Seiltänzerstand“ (= beide Füße in einer Linie hintereinander) Arme vor der Brust kreuzen, Augen schließen.
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