Montag, 28. Juni 2010

Anfängertraining (1)

Heute hatte ich einen Doppel-Termin. Zwei ältere Herren, die einen Trainingsplan haben wollten. Der eine, um etwas abzunehmen, der andere, um seinen Körper zu "straffen" (was auch immer dieses nebulöse Wort im Fitness-Kontext bedeuten soll). Beide hatten zwar schon Sport getrieben, allerdings lag das in beiden Fällen auch mehr als zehn Jahre zurück. Also habe ich ihnen erst mal erklärt, was sie machen können und sollten. Das Ergebnis war schließlich für beide je

— ein Ganzkörper-Kraftausdauertraining;
— ein moderates Ausdauertraining.

Nach einer sehr unterhaltsamen Stunde kam dann abschließend die Frage:

"Wieso haben wir denn beide den gleichen Trainingsplan, wenn ich doch eine Körperstraffung haben will und er abnehmen möchte?"

Berechtigte Frage.
Ich verfahre mit absoluten Anfängern — und das ist nicht abwertend gemeint, sondern einfach eine Tatsache — grundsätzlich so, dass sie erst mal einen Basis-Plan bekommen, der nicht großartig spezialisiert ist und mit dem man nicht viel falsch machen kann. Das tue ich allerdings nur, wenn keine gesundheitlichen Beschwerden vorliegen, an denen man gesondert arbeiten müsste. Ist der Kunde körperlich ok, will ich ihn zunächst mal überhaupt an sportliche Belastung gewöhnen und mit so wenig Übungen von oben bis unten durcharbeiten und alle relevanten Muskelgruppen mit einbeziehen.

Ein Basisplan, der sich bislang bewährt hat, beinhaltet je zur Hälfte Geräteübungen und Übungen am Boden oder mit dem Pezzi-Ball; mehr als acht verschiedene Übungen gebe ich aber auch gesunden Anfängern nie, tendenziell sogar weniger. Alles Weitere wird sich dann ergeben.

Montag, 21. Juni 2010

Aus Fehlern wird man klug (1)

Merke:
Möglichst kein Bachgeplätscher als Hintergrundgeräusch beim Entspannungskurs einsetzen.
Das entspannt offenbar nur die Harnblase der Teilnehmer.

Donnerstag, 17. Juni 2010

FOCUS und die Fitness-Trends

Ein lustiger Artikel, über den ich vor einiger Zeit auf der FOCUS-Website gestolpert bin: "Die besten Fitness-Trends".

Abgesehen davon, dass der Artikel bereits vom November 2005 stammt — es ist immer ärgerlich, wenn Unwahrheiten oder schlicht Blödsinn verbreitet werden. Das fängt schon mit dem albernen Teaser an, der behauptet: "Powern bis zum Umfallen war gestern. Die neuen Fitness-Sportarten setzen auf schonendes Ganzkörper-Training."
Warum dann im Folgenden Body Combat, Spinning und Tae Bo aufgeführt werden, sportliche Aktivitäten, zu denen einem nicht gerade als erstes das Adjektiv "schonend" einfällt, ist dann ein bisschen überraschend. Und darüber hinaus: Warum Aerobic, Callanetics oder Jogging hier unter die Kategorie "neu" fallen, muss auch erstmal erklärt werden.

Zu den "Fünf Tibetern" schreibt der FOCUS das übliche Blabla: "Die Übungen [...] gelten seit Jahrhunderten in asiatischen Klöstern als Schlüssel zu einem langen und gesunden Leben." Dass dem nicht so ist, sollte mittlerweile auch der letzte Wollsockenträger begriffen haben. Auch, warum die "Reihenfolge unbedingt eingehalten werden sollte, um geistig und körperlich davon zu profitieren", wird nicht weiter erläutert. Sicher, der Artikel ist als kurzer Überlick gedacht — aber wenn schon, denn schon.
Na ja, Volker Karrer wird´s freuen, dass seine Legende noch immer durch die Welt geistert. Absolut empfehlenswerte Lektüre zu dem Thema ist Susanna Schwagers hervorragend recherchierter WELT-Artikel vom 13.11.1999: "Suche nach dem Buch aus dem Nichts".

Das Taijiquan dann ist nach Meinung des FOCUS´ eine immerhin schon "über 5000 Jahre alte Technik" und zum Thema "Yoga" gibt´s eine schöne Tabelle, in der einzelne Yoga-Richtungen verglichen werden. Super Idee. Aber Hatha-Yoga mit Iyengar-Yoga zu vergleichen, ergibt nicht wirklich Sinn. Und warum beim ersteren der "mentale Effekt" mit nur zwei Sternchen geringer sein soll, als bei Iyengar mit drei Sternchen, weiß wohl auch nur der zuständige Redakteur.

Mittwoch, 16. Juni 2010

Der Umgang mit dem eigenen Körper

Um gleich mal einen Punkt aus meinem ersten Eintrag aufzugreifen:
Es ist schon bemerkenswert, wie manche Menschen mit ihrem Körper umgehen und ihn wahrnehmen. Oder eben auch nicht. Neulich z.B. kam ein Kunde zu mir, der wegen seiner Knieprobleme gerade ambulant behandelt worden war.

Ich fragte ihn, was der Orthopäde denn gemacht habe.
Die erstaunliche Antwort: "Keine Ahnung!"

Er wusste es tatsächlich nicht. Lediglich, dass ein kleiner Eingriff vorgenommen worden war. Ich unterstelle ja gar nicht, dass so etwas aus bösartiger Gleichgültigkeit dem eigenen Körper gegenüber geschieht. Vielleicht ist es auch Angst — davor, was der Arzt im Knie gefunden haben könnte, vor der Tragweite seiner Behandlung, vor der Zukunft. Ich weiß es nicht.

Aber erstaunlich ist es schon, wenn man bedenkt, dass es darum ging, ob er in den nächsten zehn Jahren womöglich ein künstliches Kniegelenk benötigen würde. Ob er weiterhin normal würde gehen können und Sport treiben dürfte.

Nun, er macht wieder Sport. Und seinem Knie geht es seitdem sehr viel besser. Was der Arzt aber damals genau gemacht hat, weiß er immer noch nicht. Und es interessiert ihn auch nicht sonderlich.

Sicher, wenn der Automechaniker an meiner Karre herumschraubt, weiß ich auch nicht so recht, was er da tut. Aber wenn es um meinen eigenen Körper geht, sollte ich doch ein wenig sensibler sein und wenigstens grob wissen, was Sache ist. Die Autoreparatur kostet nur Geld — meine Gesundheit erfordert ein bisschen mehr als das.

Warum dieses Blog?

Ich möchte einfach ein wenig über meinen Arbeitsalltag als Personal-Trainer informieren und ein bisschen Wissen verbreiten — sowohl fachlicher Art als auch persönlicher. Übungen vorstellen, Probleme besprechen, wissenschaftliche Erkenntnisse diskutieren. Gleichzeitig Einblicke in meine praktische Arbeit geben.

Sinnvolles Training — was ist das?

Kurz gesagt: Jedes Training, das ein bestimmtes Ziel verfolgt und dazu die richtigen Mittel anwendet. Wer nach einer Hüft-Op wieder fit werden will, muss anders an die Sache herangehen, als jemand, der seinen ersten Marathon absolvieren möchte. Das erscheint logisch, aber die tägliche Praxis zeigt, dass viele Menschen keine Ahnung haben, warum sie wie trainieren (sollen) und was sie damit erreichen (wollen).

Wenn ich also ein bisschen Licht ins Dunkel bringen kann und der ein oder andere einen Tipp aus diesem Blog mitnimmt, bin ich schon zufrieden.